Wanderst oder kraxelst du durch die schöne Bergwelt der Alpen, so freust du dich dort neben der Tier- und Pflanzenwelt auch über die Landschaftsformen: Eindrucksvolle Felswände, gezackte Grate oder auch das sanft geschwungene Vorland. Vielleicht frägst du dich auch: „Wie ist das alles wohl entstanden?“ und „Was ist das für ein Gestein?“
 
 
Untersberg
Untersberg
 
 
 
 
 
 
 
 
Bergkristall
Bergkristall
 
 
Um diese Fragen genau beantworten zu können, bräuchte es ein ganzes Buch. Deshalb bekommst du hier erst mal Tipps, wie du die Gesteinsarten im Gelände erkennen kannst und was sie dir über ihre Herkunft verraten.
 
Zuerst musst du wissen, dass jedes Gestein aus Mineralien zusammengesetzt ist. Minerale sind natürlich vorkommende Festkörper mit einer definierten chemischen Zusammensetzung und einer bestimmten phyikalischen Kristallstruktur. Nur wenige Gesteine bestehen aus nur einem Mineral, die meisten sind aus mehreren aufgebaut. Gesteine aus nur einem Mineral, die du bestimmt schon einmal gesehen hast sind z.B. der Bergkristall, Edelsteine oder Erze wie z. B. Bleiglanz, Hämatit (Eisenoxid) oder Zinkblende. Die Minerale, die das Gestein aufbauen, sorgen für die Farbe und die übrigen Eigenschaften des Gesteins.
Je nach Entstehungsweise lassen sich die Gesteine in drei große Gruppen einteilen:
Klasse ist es, wenn du eines deiner schönen Fundstücke oder den noch festen Fels einer dieser Gruppen zuordnen kannst. Deshalb werden jetzt hier die drei großen Gruppen kurz vorgestellt.
 
 
 
 
 
 
 
Granit
Granit
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Magmatische Gesteine
Diese Gesteine entstehen durch Erstarrung einer Gesteinsschmelze (Magma). Die Art der Abkühlung, die zum Erstarren oder Festwerden dieser Schmelze führt, teilt diese wiederum in zwei Untergruppen ein:
Je nachdem, ob das Magma bei seinem Aufstieg in festem Gestein „stecken bleibt“ (Plutonite) oder ob das Magma als Lava ungehindert durch eine Vulkan an die Erdoberfläche kommt und dort auskühlt (Vulkanite). Je nach Art der Abkühlung, Tiefe und der Zusammensetzung des Magmas können die unterschiedlichsten Gesteine entstehen. Die bekanntesten Vertreter sind bei den Plutoniten der Granit und bei den Vulkaniten der Basalt.
Der Granit setzt sich in der Hauptsache aus den Mineralen Quarz, Feldspat und Glimmer zusammen. Der milchig-weiße Quarz und der weißlich-rötliche Feldspat sind im Gestein gut zu erkennen und geben dem Granit eine helle Tönung. Die blättrigen schwarz-glänzenden Glimmer lassen sich als dunkle Flecken entdecken (wobei auch hellere Varianten vorkommen). Je nach dem Verhältnis dieser Bestandteile erscheint der Granit grau, braun, gelblich oder rötlich. (Schau dir mal Fensterbänke, Treppenstufen, Arbeits- oder Tischplatten genauer an, oft sind diese aus dem körnigen Granit gefertigt.) Schöne Granite gibt es z. B. in der Adamellogruppe (Norditalien).
Plutonite zeigen ein kompaktes Gesteinsgefüge mit ineinander verzahnten Mineralkörnern, die du mit dem bloßen Auge gut sehen kannst. Neben Granit gibt es z. B. noch Diorit, der keinen Quarz enthält und somit meist dunkler ist.
Bei den Vulkaniten dagegen lassen sich die Kristalle meist nicht so gut erkennen, man spricht daher von einem dichten Gesteinsgefüge. Am häufigsten kommt die Gruppe der Basalte mit ihren dunkelgrauen bis grünlichen bis schon fast schwarzen Gesteinen vor.
Die Vulkanite lassen sich an ihrer Erscheinungsform gut erkennen: Eine feinkörnige Grundmasse, in der gut kristallisierte Minerale (Einsprenglinge) vorkommen. Typisch ist z. B. der „Bozener Quarzporphyr“, ein feinkörnig rötliches Gestein mit großen Einzelkristallen.
 
Geröll im Bachbett
Geröll im Bachbett
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sandstein
Sandstein
 
 
Nagelfluh
Nagelfluh
 
 
 
Kalk-Koralle
Kalk-Koralle

Sedimente

Bei den Sedimenten handelt es sich größtenteils um Gesteine, die aus Verwitterungsprodukten anderer Gesteine an der Erdoberfläche entstehen. Verwitterung begegnet dir bei deinen Wanderungen ständig. Gerölle im Bach- oder Flussbett oder in Halden unterhalb von Felswänden sind solche Verwitterungsprodukte. Sie waren einst Teil eines großen zusammenhängenden Gesteinspakets und sind durch den Einfluss der Wetterelemente „zerkleinert“ und z.B. durch Wasser von ihrem Ursprungsort abtransportiert worden. Dabei zeigt sich anhand der Rundungen des Gerölls, ob es schon einen langen oder eine kurzen Transportweg hinter sich hat. Ist das Geröll noch kantig und eckig, liegt logischerweise ein kurzer Weg vor. Nach einem langen Weg durch Bach- oder Flussbett zeigt sich das Geröll schön gerundet („Bachkatzen“) und auch viel mehr feine mitgeführte Fracht wie Sand und Ton lassen sich erkennen.
Beim Flusstransport wird Gesteinsmaterial verschiedenster Herkunft gemischt, wenn sich z.B. in großen Flüssen einige Nebenflüsse mit ihrer Fracht treffen. Die Flüsse wiederum transportieren die immer feiner werdende Fracht bis in Seen oder ins Meer.
Je nach Strömungsgeschwindigkeit und Größe setzen sich die groben und feinen mitgeführten Bestandteile dann ab. Im Laufe von vielen Jahrtausenden entstehen so mächtige Sedimentschichten, die dann durch den Druck der überlagerten Schichten und durch chemische Veränderungen verfestigt werden. Es entsteht Sedimentgestein. So wird aus Sand Sandstein und aus losem Geröll (Schotter) wird Konglomerat.
Sandsteine sind durch Bindemittel verfestigte Sande und zeigen oft eine Schichtung (Streifen). Je nach Mineralbestandteil liegen gelblich-ockerfarbene, rötliche, braun-graue oder sogar grünliche sandig aussehende Gesteine vor.
Neben Sandsteinen gibt es Ton- und Mergelsteine, die sich in der Korngröße unterscheiden. Bei Sandstein siehst du mit dem bloßen Auge noch die einzelnen Körner, bei Ton- oder Mergelsteinen hast du keine Chance mehr.
Die gerundeten Gesteinstrümmer im Konglomerat können unterschiedlichster Herkunft sein und das ganze Gestein erinnert an Waschbeton. Ein schönes Beispiel für solch ein Konglomerat findet sich im Allgäu, der so genannte Nagelfluh.
 
Sedimente können sich aber auch aus den Schalen von abgestorbenen Meerestieren gebildet haben; waren diese Schalen aus Kalk, so gibt es Kalkstein. In diesem findest du oft noch gut erhaltene Fossilien, wie etwa Muscheln, Schnecken, Seeigel oder Ammoniten. Der Kalkstein zeigt sich im Gebirge oft als schroffe Wände und zackige Grate, wie z.B. der Langkofel oder das Wettersteingebirge. Kalk wird relativ leicht von Wasser ausgewaschen und verkarstet. Deshalb gibt es in Kalkgesteinen oftmals Höhlensysteme.
Ein Erkennungsmerkmal der Kalke ist, dass sie beim Auftropfen von verdünnter Salzsäure heftig brausen.
Hierdurch unterscheiden sich die Kalksteine (Calciumkarbonate) von Dolomit, eine Variante von Karbonatgestein mit Calcium und Magnesium. Dolomit ist das Hauptgestein der Dolomiten; es bildet die für die Dolomiten charakteristischen „Türme“ und zerbricht splittrig, so dass die zum „Abfahren“ so geeigneten Schuttreißen entstehen.
Neben Kalkschalen gibt es im Meer auch Lebewesen aus kieseligen Bestandteilen, wie z.B. die mikroskopisch kleinen Radiolarien, deren Skelette den Radiolarit (Hornstein) bilden; ein dichtes, sehr hartes, oftmals weinrotes Sedimentgestein aus Quarzmasse. Hornsteine kommen z. B. auch linsenförmig als (schwarze) Einschlüsse im Kalkgestein vor.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gneis
Gneis

Metamorphite

Aus allen Gesteinen können durch Metamorphose (Umwandlung) neue Gesteine entstehen. Diese Metamorphose findet z. B. bei Gebirgsbildungen statt, bei denen Gesteinspakete in der Tiefe „verschluckt“ und so einem hohen Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Dabei werden die Gesteine teilweise verflüssigt und neu gebildet, so dass sich die Struktur, der Mineralgehalt und die Farbe ändern. Bei einer solchen Metamorphose wird aus Kalkstein Marmor, aus Tonstein Schiefer und aus Granit ein Gneis.
Der Marmor ist ein beliebter Baustein, sowohl als feine Variante für Skulpturen, als auch in Form von Platten zur Verkleidung von Wänden, Fassaden oder Böden. Aber Vorsicht! Nicht alles was in der Baustoffindustrie als Marmor bezeichnet wird, ist auch einer, oft handelt es sich um polierbaren Kalkstein.
Marmor kann verschieden Farben aufweisen, meist ist er aber hell. Typisch ist dabei seine Marmorierung, d.h. er ist von dunkel oder hell gefärbten Adern oder Bändern durchzogen. Die Kristalle (einzelne Körner) lassen sich im Gegensatz zum Kalkstein gut mit dem bloßen Auge erkennen und du findest weder Fossilien noch Hohlräume.
Ein weiterer häufig auftretender Metamorphit ist der Gneis. Dieser zeigt oft eine schöne Schieferung (Einrichtung der Minerale in eine Richtung) und sieht somit gestreift oder gebändert aus. Der Schiefer ist entlang dieser Flächen leicht zu spalten (manchmal reicht es schon, wenn du den Stein gegen einen anderen schlägst). Dieses Parallelgefüge erinnert ein wenig an die Sedimentgesteine, aber die Spaltflächen erscheinen hier uneben und wellig.
Die Flechten bewachsene Blockgrate in den Zentralalpen sind oftmals aus Gneis.
 
Dies ist nur ein ganz kleiner Überblick über die Welt der Gesteine. Aber vielleicht betrachtest du jetzt eine Felswand oder ein Geröllstück mit anderen Augen. Vielleicht gelingt es dir auch das eine oder andere Gestein einzuordnen und zu bestimmen. Und mit der Zeit können die Steine einem die interessantesten Geschichten erzählen – man muss ihnen nur zuhören und in ihnen lesen können.
 
 

Gestein


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