In den Bergen gibt es eine ganze Reihe von Tieren, die nur hier oder vor allem hier leben. Sie haben es geschafft, sich an die Lebensumstände im Gebirge anzupassen (z.B. kurze Sommer, lange und schneereiche Winter). Als Wildtiere sind sie meist sehr scheu und sollten in ihrem Lebensraum möglichst nicht gestört werden. Einige dieser Tiere stellen wir Euch hier vor.  
 
 
Alpendohle 2 
 
 
 
 
 
 
 
Alpendohlen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Alpendohle 2
 
 
 
 
 
 
 
  

alpendohle

Die Alpendohle ist ein wahrer Flugkünstler, sehr gesellig und meistens auch sehr zutraulich. Sie gehört zur Familie der Rabenvögel und ist etwa so groß wie eine Taube. Mit der Alpenkrähe ist die Alpendohle näher verwandt als mit der Dohle. Die Alpendohle hat einen geraden, kurzen und gelben Schnabel. Ihr Gefieder ist schwarz, die Beine rot.
Lebensraum
Die Alpendohle ist im Alpenraum weit verbreitet. Sie lebt außerdem in den Pyrenäen, in Marokko, in den Abruzzen, auf dem Balkan, in Griechenland und sogar im Himalaya.
In den Alpen ist sie in Höhen zwischen 1500 und 3000 Metern zuhause und überwintert auch dort. Ihre Nahrung besteht im Sommer vor allem aus Insekten (Grillen, Käfer, Heuschrecken, Ameisen, Raupen), Spinnen, Schnecken und Regenwürmern. Im Winter frisst sie Beeren, Samen, Obst, Knospen und Flechten. Alpendohlen holen sich oft auch Lebensmittelreste und Abfälle, die sie an Rastplätzen von Bergsportlern finden.
Familienleben
Îhr Nest baut die Alpendohle an schwer zugänglichen Felswänden, in Felsspalten und -höhlen. Ab März legt das Weibchen zwei bis fünf Eier und bebrütet diese 18 bis 21 Tage. Wenn die Jungen geschlüpft sind, werden sie etwa 30 Tage lang von beiden Elternteilen im Nest gefüttert. Alpendohlen sind sehr gesellige Vögel und meistens in großen Schwärmen unterwegs. Bei günstigen Bedingungen werden sie bis zu 20 Jahre alt. 
 
Bergsalamander
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
salamander video

Alpensalamander

Der Alpensalamander (Salamandra atra) wird bis zu 15 Zentimeter groß und ist vollständig schwarz gefärbt. Sein Verwandter, der Feuersalamander, hat auf dem Rücken ein gelb- bis orangefarbenes Muster. Der Bergmolch ist an der Oberseite schwarz und am Bauch leuchtend orange.
Lebensraum
Der Alpensalamander ist im Alpenraum weit verbreitet. Trotzdem sieht man ihn selten, weil er sehr scheu ist. Am größten sind die Chancen in den frühen Morgenstunden, vor einem Gewitter oder nach einem Regenschauer. Er lebt in Höhen zwischen 800 und 2000 Metern. Sein bevorzugtes Revier sind feuchte Laubwälder in der Nähe von Gebirgsbächen, feuchte Alpenweiden, Schutthalden, Windwürfe und Schluchten oberhalb der Baumgrenze. Auf Kalkgestein trifft man den Alpensalamander häufiger als auf Granit und Gneis. Er ist der einzige mitteleuropäische Lurch, der ohne Oberflächengewässer existieren kann. Der Alpensalamander ist überwiegend nachtaktiv und versteckt sich tagsüber gerne unter Steinen, Wurzeln, Totholz oder in Felsspalten. Seine bevorzugte Nahrung sind Insekten, Spinnen, Larven, Asseln, Schnecken und Regenwürmer.
Familienleben
Der Nachwuchs wird nach einer Tragezeit von zwei bis vier Jahren lebend geboren. Ein Weibchen bringt meistens zwei Jungtiere zur Welt. Zwischen Oktober und März halten die Tiere Winterruhe. Der Alpensalamander wird höchstens zehn Jahre alt.
Feinde
Zur Verteidigung scheidet der Alpensalamander ein giftiges Hautsekret aus. Deshalb hat, er abgesehen von Elstern und Alpendohlen, kaum Feinde.
 
 
Auerhahn
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Auerhahn

Auerhuhn

Das Auerhuhn ist ein großer, sehr scheuer Hühnervogel. Es reagiert empfindlich auf Klimaveränderungen, Schadstoff-Ausstoß von Fabriken und Fahrzeugen, Forstwirtschaft und Störungen durch Wanderer. Das männliche Tier, der Auerhahn, ist deutlich größer und schwerer als das weibliche Tier (Henne). Ein Auerhahn ist vier bis fünf Kilogramm schwer und etwa einen Meter groß. Eine Henne wiegt nur 2,5 Kilogramm, sie wird etwa 60 Zentimeter groß. Männliche Tiere sind schwarz, weibliche bräunlich; beide haben eine auffallende rote Hautstelle über den Augen.
Besonderheiten
Im Gegensatz zu anderen Hühnervögeln hat das Auerhuhn Federn an den Füßen und seitlich der Zehen kleine Hornstifte, so dass es im Winter kaum in den Schnee einsinkt (Schneeschuheffekt). Deshalb gehören sie zur Familie der „Raufußhühner“. Das Auerhuhn kann nicht besonders gut fliegen. Deshalb hält es sich vor allem am Boden auf. Auerhühner schlafen sitzend auf den Ästen von Bäumen.
Lebensraum
Weil es hohe Ansprüche an seinen Lebensraum stellt und viele Jahre lang stark gejagt wurde, ist das Auerhuhn aus vielen früheren Verbreitungsgebieten mittlerweile fast verschwunden. Am ehesten trifft man das Auerhuhn noch in alten, unberührten Bergwaldregionen. Es lebt außerdem noch im Bayerischen Wald, im Schwarzwald, im Fichtelgebirge, im Erzgebirge oder im Harz. Das Auerhuhn frisst im Sommer Beeren und Blätter von Beerensträuchern (vor allem Heidelbeeren), Samen von Gräsern und junge Sprösslinge, im Winter stehen Nadeln und Knospen von Nadelbäumen auf dem Speiseplan.
Familienleben
Die Balz findet beim Auerhuhn zwischen März und Anfang Juni statt. Sie beginnt auf den Bäumen und wird am Boden fortgesetzt. Dabei fächert der Auerhahn seinen Schwanz zu einem Halbkreis aus und lässt sein Balzlied ertönen. Während der Balzzeit sind die Tiere sehr empfindlich gegenüber Störungen. Auerhähne können dann auch Menschen gegenüber aggressiv werden. Die Henne legt im Durchschnitt acht Eier, die sie beinahe vier Wochen bebrütet.
 
 
Braunbaer 1
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Braunbaer 4
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Braunbaer 2
 
 

Braunbär

Der Braunbär (Ursus arctos) ist eines der größten lebenden Raubtiere der Erde. Seine nächsten Verwandten sind der Eisbär, der Grizzlybär und der Kodiakbär. Der Braunbär sieht nicht besonders gut, hört durchschnittlich, hat aber einen ausgeprägten Geruchssinn. An seinen großen Füßen hat er je fünf Zehen mit Krallen, die bis zu acht Zentimeter lang werden und nicht eingezogen werden können. Das Fell des Braunbären ist dunkelbraun, im Winter dicht und zottelig. Das Gewicht hängt stark von seinem Verbreitungsgebiet ab. Im Durchschnitt wiegt ein Männchen 243 Kilogramm, ein Weibchen 117 Kilogramm.
Als Wappentier, zum Beispiel im Wappen der Stadt Berlin, oder in Märchen, Mythen und Sagen, symbolisiert er Größe, Macht und Stärke. Außerdem stand er Pate für den Teddybären und die Gummibärchen.
Lebensraum
Die Wahrscheinlichkeit, dass man in den Alpen einen Braunbären trifft, ist sehr gering. Er wurde über die Jahrhunderte vom Menschen gejagt und ausgerottet. In einigen europäischen Gegenden überlebten die Bären oder wurden vom Menschen wiederangesiedelt: Man findet sie vereinzelt in Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien, Österreich und Polen. Größere Gruppen sind in Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, der Slowakei, in Finnland und Schweden zuhause. Die meisten Bären aber leben in den Ländern der früheren Sowjetunion, in China und in Nordamerika.
Bären leben in offenem Gelände, in Wäldern, auf Bergwiesen und auch in Küstenregionen. In Europa halten sie sich vor allem in bewaldeten Gebirgsregionen auf. Für ihr Überleben sind zwei Dinge ganz besonders wichtig: genügend Nahrung und ein Platz für die Winterruhe. Seinen Winterschlaf hält er (je nach Gegend und Witterung) ab Oktober, November oder  Dezember bis März, April oder Mai. Den Winter verbringt er in einem Bau, den er sich selbst gräbt, in Höhlen oder Felsspalten. Im Frühjahr und Herbst, wenn sich der Bär ein Fettpolster anfressen muss, ist er auch tagsüber auf Nahrungssuche; im Sommer jagt er nachts. Grundsätzlich sind Braunbären Allesfresser, holen sich aber vor allem pflanzliche Nahrung, zum Beispiel: Gräser, Kräuter, Blüten, Wurzeln, Nüsse, Pilze und im Sommer am liebsten Beeren. Daneben fressen sie Insekten, Vögel, Nagetiere (z.B. Murmeltiere) und Wühlmäuse. Wenn Weidetiere (Schafe, Ziegen, junge Rinder) in der Nähe sind, werden auch die von Bären gejagt. Bären, die an Gewässern leben, ernähren sich auch von Fischen (z.B. Lachse) und Muscheln.
Trotz seiner behäbigen Bewegungen kann ein Bär sehr schnell laufen (bis zu 50 Kilometer pro Stunde). Junge Bären klettern noch auf Bäume, was ein ausgewachsener Bär wegen seines Gewichtes meistens nicht mehr schafft. Bären sind nicht auf einen Standort festgelegt, sondern unternehmen oft ausgedehnte Wanderungen, die über hunderte Kilometer gehen können.
Familienleben
Der Bär ist in der Regel ein Einzelgänger, der nur zur Paarungszeit kurzzeitige Verbindungen eingeht. Die Paarung findet in den Monaten Mai bis Juli statt, die Geburt des Nachwuchses folgt zwischen Januar und März. Meistens bringt eine Bärin zwei oder drei Jungtiere zur Welt. Sie kümmert sich alleine um die Aufzucht. In dieser Zeit sind die Bärenmütter leicht reizbar und attackieren männliche Bären und auch Menschen. Die Bindung zwischen der Mutter und ihrem Nachwuchs ist die einzige längerfristig Beziehung bei Bären: Die jungen Bären bleiben mindestens bis zum zweiten Frühling bei der Mutter, teilweise auch wesentlich länger. Ihren Nachwuchs verjagt die Bärin erst etwa zwei bis vier Jahren nach der letzten Paarung. Denn erst dann ist sie wieder empfängnisbereit. In der freien Natur werden Braunbären 20 bis 30 Jahre alt.
 
 
Gaemse 1
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gams
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gaemse 3
 
 
 
 

Gämse (Gemse, Gams)

Die Gämse ist etwa so groß wie ein Reh, in Gestalt und Aussehen ist sie aber eher einer Ziege ähnlich. Die Gämse gehört zur Familie der Ziegenartigen und damit zu den spezialisierten Wiederkäuern. Männchen und Weibchen haben Hörner (Krucken, Krickeln). Im Gegensatz zu den Geweihen von Hirschen und Rehen werden die Hörner der Gämsen nicht abgeworfen. Auffallend bei den Gämsen ist der Wechsel zwischen dem helleren, leichteren Sommerfell und dem langhaarigen, dichten und deutlich dunkleren Winterfell.
Lebensraum
Gämsen kommen in Europa und Kleinasien vor. Deshalb unterscheidet man auch zwischen verschiedenen Arten: So gibt es zum Beispiel Alpengämsen, Pyrenäen-Gämsen, Karpatengämsen und Kaukasusgämsen. Lebensraum der Gämsen ist der obere Waldgürtel. Im Winter halten sie sich vor allem in den Wäldern auf, im Sommer im Gebirge. Dann ruhen sie sich gerne auf Schneefeldern aus, um sich abzukühlen. Die Hufe der Gämsen sind sehr gut an die Umgebung angepasst: Sie bestehen aus harten Schalenrändern und einer elastischen Sohle. Damit können die Gämsen gut auf den Felsen klettern. Im Winter finden sie damit auf vereisten Flächen sicheren Halt.
Die Gämsen ernähren sich von Gräsern, Blättern, Kräutern und jungen Trieben von Sträuchern (z.B. Alpenrose, Wacholder). Im Winter fressen sie auch Moos und Flechten.
Familienleben
Weibchen und Jungtiere leben in Herden (Rudeln) von 15 bis 30 Tieren. Die erwachsenen männlichen Tiere leben als Einzelgänger und suchen sich erst im Spätsommer eine Herde. Junge Böcke bilden häufig kleinere „Junggesellengruppen“.
Die Brunftzeit der Gämsen beginnt Ende Oktober, die Paarung folgt meistens in der zweiten Novemberhälfte. Nach sechs Monaten Tragezeit, also Ende Mai/Anfang Juni, wirft die Gämse ein Junges. Im dritten Lebensjahr sind Gämsen ausgewachsen. Die Weibchen werden im Durchschnitt 20 Jahre alt, die Böcke etwa 15 Jahre.
Besonderheiten
Die Gämsen haben einen ausgezeichneten Geruchssinn, mit dem sie bei günstigen Windverhältnissen Feinde auf große Distanz wittern können. Auch ihr Sehvermögen ist stark ausgeprägt. Einzelne Tiere übernehmen meistens eine Aufpasserfunktion und warnen das Rudel mit einem lauten Pfiff vor Gefahr. Das ganze Rudel flüchtet schnell, bleibt aber meistens bald stehen, um zu schauen, wie der Feind reagiert.
Feinde
Die größten Feinde der Gämsen sind Steinschlag (herabrollende Steine und Felsbrocken) und Lawinen. Auch wenn zu wenig Futter vorhanden ist, sterben viele Tiere. Gämsen wurden früher von Raubtieren wie Luchsen, Wölfen und Bären gejagt. Junge Gämsen (Gamskitze) werden auch heute noch von Steinadlern gefressen. Der Mensch jagt die Gams wegen ihres Fells, ihrer Hörner und ihres Fleisches. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass Gämsen auch an Seuchen (z.B. Räude) sterben.

 
 
Kreuzotternschild
 
 
 
 

Kreuzotter

Die Kreuzotter ist eine Giftschlange, die zur Familie der Vipern gehört. In Europa ist sie sehr weit verbreitet. Eine Kreuzotter ist im Durchschnitt 50 bis 80 Zentimeter lang. Ihre Grundfarbe reicht von hellgrau über braun bis kupferrot und schwarz. Das auffälligste Merkmal der Kreuzotter ist ein dunkles Zickzack-Band auf dem Rücken. Je nach Farbe ist dieses Band stärker oder schwächer ausgebildet, bei schwarzen Tieren ist es manchmal kaum zu sehen. Auffallend sind auch die senkrecht geschlitzten Pupillen; bei den ungiftigen Ringelnattern beispielsweise sind die Pupillen rund. Die Kreuzotter besitzt zwei Giftzähne, mit denen sie ihr Gift in die Beutetiere spritzen kann. Mit ihrer Zungenspitze kann sie sehr gut riechen. Sie sieht relativ schlecht, nimmt dafür aber jede kleinste Erschütterung des Bodens wahr. Und: Die Kreuzotter kann sehr gut schwimmen.
Lebensraum
Die Kreuzotter ist die Viper mit dem größten Verbreitungsgebiet. Sie ist außerdem die einzige Schlangenart, die auch nördlich des Polarkreises lebt. In den Alpen trifft man sie bis auf eine Höhe von etwa 2500 Metern. Sie ist in Heidegebieten, Waldschneisen, an Waldrändern, in der Nähe von Mooren, in alpinen Geröllfeldern und Bergwiesen zuhause. Als Reptil kann die Kreuzotter ihre Körpertemperatur nicht selbständig aufrechterhalten. Um sich aufzuwärmen, sonnt sie sich gerne und ist in der Regel tagaktiv. Nur bei sehr großer Hitze verlagert sie ihre Aktivität in die Morgendämmerung und den späten Nachmittag. Im Winter zieht sie sich in ein Versteck zurück und hält Winterruhe. Am liebsten frisst die Kreuzotter Eidechsen, Frösche und Mäuse. Ihre Beute verschluckt sie vollständig – und zwar meistens mit dem Kopfende voran.
Familienleben
Die Paarung der Kreuzotter findet in den Monaten April und Mai statt. Die jungen Schlangen kommen zwischen August und Oktober zur Welt. Im Durchschnitt bringt eine Kreuzotter fünf bis 15 Junge zur Welt. Im Flachland bekommt das Kreuzotter-Weibchen oft jedes Jahr Junge, im hochalpinen Bereich oft nur in jedem dritten Jahr. Die Kreuzotter kann bis zu 15 Jahre alt werden.
Feinde
Feinde der Kreuzotter sind Marder, Dachse, Wiesel, Füchse und Igel. Auch Mäusebussarde und Wildschweine können ihr gefährlich werden.
Besonderheiten
Die Kreuzotter ist sehr scheu und flüchtet bei Gefahr. Sie beißt nur, wenn sie sich stark bedroht fühlt und keine Fluchtmöglichkeit mehr hat. Wer mehr als einen Meter von einer Kreuzotter entfernt ist, ist in der Regel vor ihr sicher. Man sollte aber auf keinen Fall unvorsichtig in Felsspalten, Büsche oder Sträucher greifen. Für einen gesunden Erwachsenen ist ein Biss der Kreuzotter sehr unangenehm, in der Regel aber nicht lebensbedrohlich. Bei Kleinkindern, alten Menschen und Allergikern kann der Biss aber gefährlich werden. Nach einem Biss sollte man aber auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

 
 
Luchs

Luchs

Der Eurasische Luchs ist kein reines Alpentier. Er lebt in Wäldern und felsigen Gebirgszonen bis etwa 2500 Meter. Neben Bär und Wolf ist diese Katze das größte Raubtier in Europa: Vom Kopf bis zum Po misst ein Luchs zwischen 80 und 130 Zentimetern. Er hat eine Schulterhöhe von etwa 50 bis 70 Zentimetern. Der Luchs ist ein sehr scheues Tier, das man in freier Wildbahn sehr selten sieht. Menschen greift der Luchs nur in äußerster Not an, wenn er sehr stark in die Enge getrieben wird.
Lebensraum
Sehr gerne lebt der Luchs in großen Waldgebieten mit dichtem Unterholz. Früher war der Luchs auch in Deutschland sehr weit verbreitet, wurde aber bis 1900 nahezu völlig ausgerottet. Gründe waren sein wertvolles Fell und die Tatsache, dass Mensch und Luchs das gleiche Beuteschema hatten. Wiederansiedlungsprogramme und Zuwanderungen aus Osteuropa haben dazu geführt, dass der Luchs auch in Deutschland wieder heimisch geworden ist. Luchse leben zum Beispiel in den Alpen, im Bayerischen Wald, in den Vogesen, im Harz und im Fichtelgebirge.
Die Größe seines Reviers hängt vom Angebot an Beutetieren ab. Besonders gerne jagt der Luchs Rehe und Gämsen. Außerdem frisst er Füchse, Murmeltiere, Marder, Mäuse, junge Wildschweine und Hirschkälber. Wenn sich Weidetiere, zum Beispiel Schafe, in der Nähe von Wäldern aufhalten, können auch sie auf der Speisekarte des Luchses landen.
Besonderheiten
Die Vorderbeine des Luchses sind kürzer als seine Hinterbeine, damit er schneller laufen kann. Auffällig sind auch sein kurzer, stummeliger Schwanz und seine Pinselohren. Seine großen Pranken haben den Vorteil, dass er kaum im Schnee einsinkt. Der Luchs hat ein ausgezeichnetes Gehör und sehr gute Augen, mit denen er in der Dämmerung und nachts gut jagen kann.
Familienleben
Der Luchs ist ein typischer Einzelgänger, der nur zur Paarungszeit (Februar bis April) etwas geselliger wird. Die Luchsin wirft im Durchschnitt im Mai/Juni ein bis vier Junge, die während der ersten beiden Wochen blind sind. Die jungen Tiere werden bis zu fünf Monate gesäugt und bleiben bis zum nächsten Frühjahr bei der Mutter. Danach müssen sie ein eigenes Revier finden. Die Sterblichkeit der Jungtiere ist sehr hoch: Sie werden von Bären, Wölfen oder Füchsen gejagt. Außerdem sterben sie häufig bei Verkehrsunfällen. Dauerhaft überleben kann ein Jungtier außerdem erst dann, wenn es ein eigenes Revier gefunden hat. Im Durchschnitt werden Luchse fünf bis zehn Jahre alt.

 
 
Murmeltier 7
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Murmeltier mit Kind
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Murmeltierbau
 
 
 
 
 
 

Murmeltier

Das Murmeltier hat viele Namen, zum Beispiel: Mankei, Munggen, Manggele und Marmotella. In der Jägersprache werden die erwachsenen Männchen „Bären“ und die erwachsenen Weibchen „Katzen“ genannt. Die Jäger in Österreich bezeichnen die jungen Murmeltiere als „Affen“, die Jäger in der Schweiz nennen sie „Kätzchen“.
Lebensraum
Murmeltiere gibt es in den Alpen und in der Hohen Tatra. Verwandte des Alpen-Murmeltiers findet man von Nordamerika bis Asien. Murmeltiere leben in Graslandschaften oberhalb der Waldgrenze und in Almregionen. Sie fressen Pflanzen – vor allem frische Triebe, Blüten und Knospen von Gräsern und Kräutern.
Familienleben
Murmeltiere leben in Familiengruppen zusammen: Eine Familie besteht aus bis zu 20 Tieren und jede Familie hat ihr eigenes Revier. Murmeltier-Weibchen bekommen nicht in jedem Jahr Nachwuchs. Die Tragezeit beträgt 33 bis 34 Tage. Die Jungen – meistens drei bis vier – werden nackt und blind im Bau geboren und gesäugt. Erst nach etwa 40 Tagen (Ende Juni/Anfang Juli) halten sie sich auch außerhalb des Baus auf.
Besonderheiten
Erwachsene Tiere wiegen im Herbst bis zu sechs Kilogramm, im Frühjahr nur noch etwa drei Kilogramm. Warum? Die Murmeltiere halten Winterschlaf: Die gesamte Familie verbringt die Monate zwischen Oktober und April eng aneinander gekauert in der Schlafhöhle. Während des Winterschlafs sinkt die Körpertemperatur der Tiere auf zwei bis zehn Grad Celsius ab. Damit wird auch der Energieverbrauch weniger und die Fettreserven werden aufgebraucht. Die Murmeltiere verbringen einen großen Teil ihres Lebens in ihrem Bau. Wenn sie sich im Freien aufhalten, entfernen sie sich meistens nicht mehr als zehn bis 15 Meter von einem Eingang zu ihrem Bau.
Bei den Murmeltierbauen unterscheidet man verschiedene Arten: Fluchtbaue sind Röhren von rund einem Meter Länge, die nur einen oder zwei Eingänge haben. Die Tiere halten sich dort nur kurze Zeit auf. Die Wohnbaue bestehen aus einem verzweigten System von Röhren und Kammern. Die Nestkammern werden mit Heu ausgelegt. Es gibt sogar eigene Toiletten! Ihre Baue graben die Murmeltiere mit den Zähnen und Vorderfüßen.
Feinde
Wenn Gefahr droht, warnen sich die Murmeltiere gegenseitig mit lauten Pfiffen. Ihre größten Feinde sind Steinadler und Füchse. Auch die Menschen wurden ihnen früher gefährlich: Sie haben die Murmeltiere wegen ihres Fleisches, des Fells und des Fetts gejagt. Murmeltierfett war früher ein begehrtes Heilmittel.

 
 
 
Steinadler

Steinadler

Wegen seiner majestätischen Erscheinung und seiner Flugkünste wird der Steinadler „König der Lüfte“ genannt. Auch als Wappentier, zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland, findet man ihn häufig. Ein Adler wird etwa 80 bis 100 Zentimeter lang. Die Flügelspannweite beträgt rund zwei Meter. Männchen wiegen etwa 3,7 Kilogramm, Weibchen etwa fünf Kilogramm. Generell sind die Weibchen etwas größer und schwerer als die Männchen. Steinadler sehen sehr gut und können sehr gut fliegen. Im Durchschnitt erreicht er etwa 50 bis 55 Stundenkilometer, die Spitzengeschwindigkeiten liegen bei bis zu 125 Stundenkilometern.
Lebensraum
Früher war der Steinadler sehr weit verbreitet. Heute findet man ihn in Europa fast nur noch in Gebirgsgegenden und in Skandinavien. Das liegt vor allem daran, dass er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark verfolgt und fast ausgerottet wurde. Außerhalb Europas gibt es Steinadler in Nord-Afrika, Asien und Nordamerika.
Der Steinadler lebt am liebsten in Fels- und Waldgebieten. Er ernährt sich hauptsächlich von Säugetieren wie Mäusen, Murmeltieren, Gams- und Rehkitzen, Lämmern, Schneehasen, Hauskatzen und Füchsen. Seine Beute tötet der Steinadler mit seinen Fängen am Boden. Schwere Beutetiere wie junge Gämsen kann der Adler nicht im Flug tragen. Deshalb zerteilt er dann entweder die Beute oder fliegt mehrere Tage lang zum Kadaver. Wenn die Beute knapp wird, zum Beispiel im Winter, frisst er auch Aas.
Familienleben
Die Reviergröße eines Brutpaares ist vom Lebensraum und vom Nahrungsangebot abhängig. Sie reicht von 30 bis zu 90 Quadratkilometern. Sein Nest, das „Horst“ genannt wird, baut der Adler meist auf Felsvorsprüngen, die sich unterhalb seines Jagdreviers befinden. Das hat den Vorteil, dass er seine Beute besser dorthin transportieren kann. Für den Nestbau verwendet er Stöcke und Zweige. Das Innere polstert er mit Gras, grünen Zweigen, Moos und Flechten weich aus. Adler benutzen ihre Horste meistens mehrere Jahre lang. Es kommt auch vor, dass ein Adlerpaar mehrere Horste baut und sie abwechselnd nutzt. Hat sich ein Adlerpaar gefunden, dann bleibt es meistens ein Leben lang zusammen. In der Regel legt das Weibchen im Februar bis März zwei Eier und bebrütet diese dann rund 45 Tage lang. Nach dem Schlüpfen der Jungen bringt das Männchen drei Wochen lang das Futter, ab der vierten Woche geht auch das Weibchen wieder auf Beutejagd. Das stärkere Junge wirft, vor allem wenn das Futter knapp wird, seine schwächeren Geschwister aus dem Nest oder drängelt sich beim Füttern vor. Die Folge: Das zweite Junge verhungert. Junge Steinadler verbringen etwa 70 bis 80 Tage im Nest und werden anschließend noch von den Eltern umsorgt. Nach den ersten Flugversuchen dauert es zehn bis 14 Tage, bis sie voll flugfähig sind. Im Spätherbst, spätestens im Januar, werden die Jungtiere aus dem elterlichen Revier vertrieben.
Mit vier bis fünf Jahren werden die Adler geschlechtsreif. Dieses Alter erreicht aber nur ein Drittel bis ein Viertel aller Jungtiere. Sind die Adler älter als fünf Jahre, steigen die Überlebenschancen stark an. Steinadler werden im Durchschnitt bis zu 20 Jahre alt.
 
 
Steinbock
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Steinbock 2
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Steinbockkitz 

Steinbock

Der Alpensteinbock, auch „Gemeiner Steinbock“ genannt, ist eine Ziegenart, die in den Alpen lebt. Verwandte sind der Sibirische Steinbock, der Iberische Steinbock oder der Äthiopische Steinbock. Das männliche Tier heißt Steinbock, das weibliche wird Steingeiß genannt. Die Männchen sind größer und schwerer als die Weibchen: Männchen wiegen mehr als 100 Kilogramm, Weibchen etwa 40 Kilogramm. Bock und Geiß haben ein Gehörn, das bei der Geiß aber nur etwa 35 Zentimeter lang wird und kaum gebogen ist. Die Hörner eines Steinbocks werden bis zu einem Meter lang und insgesamt bis zu 30 Kilogramm schwer. Sie sind säbelartig nach hinten gebogen und haben an der Vorderseite kräftige Wülste.
Lebensraum
In den Alpen lebt der Steinbock zwischen der Waldgrenze und der Eisgrenze – also zwischen 1600 und 3500 Metern. Im Sommer halten sich die Tiere in höheren Lagen auf, im Winter weiter unten. Ihre Nahrung besteht vor allem aus Gräsern und Kräutern.
In den Alpen war das Steinwild Anfang des 19. Jahrhunderts stark vom Aussterben bedroht. Es wurde gejagt, weil viele seiner Körperteile (z.B. Blut, Haare) als Wundermedizin galten. Um 1800 lebte im gesamten Alpenraum noch ein Restbestand von rund 100 Tieren. Ein Wiederansiedlungsprogramm hat dafür gesorgt, dass heute im gesamten Alpenraum wieder 30.000 bis 40.000 Tiere zuhause sind – in der Schweiz sind es etwa 14.000 und in Österreich 4500 Tiere.
Familienleben
Eine Steinbockherde setzt sich aus zehn bis 20 Weibchen und ihren Jungtieren zusammen. Davon getrennt halten sich die Junggesellenherden auf, alte Böcke leben als Einzelgänger. Während der Fortpflanzungszeit (Dezember/Januar) suchen die Böcke weibliche Herden. Dabei kommt es oft zu heftigen Kämpfen zwischen den Böcken. Haben sie weibliche Herden gefunden, bleiben sie über den Winter dort und verlassen sie erst im Frühjahr wieder.
Nach einer Tragezeit von fünf bis sechs Monaten bringt ein Muttertier ein Junges zur Welt. Jungtiere können vom ersten Tag an laufen; etwa ein Jahr lang werden sie von ihren Müttern gesäugt. Die Geißen werden mit 2,5 Jahren geschlechtsreif, die Böcke bereits mit zwei Jahren. Steinwild wird in der Regel zehn bis 14 Jahre alt, manchmal auch über 20 Jahre.
Feinde
Erwachsene Steinböcke haben, mit Ausnahme des Menschen, keine natürlichen Feinde. Die Jungen müssen aber Steinadler und Füchse fürchten.    
 

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