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Auch wenn die Berge heute weitgehend durch den Menschen und seine Technik entzaubert sind, kann man immer noch den einen oder anderen Wald- oder Berggeist sehen. Dazu braucht es offene Augen sowie etwas Phantasie und schon wird ein alter Baumstumpf zum Waldschrat, eine Wolkenform zum wilden Drachen oder ähnlich. Viel Spaß bei der Suche nach sagenhaften Gestalten. |
| Mit etwas Geschick und einfachen Naturmaterialien (Steine, Tannenzapfen usw.) kannst du auch selbst etwas nachhelfen und sagenhafte Wesen gestalten. | |
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Typische Sagengestalten und -orte: | |
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Wildfrauen und wilde Männer
In Süddeutschland, Österreich und in Südtirol werden diese Sagengestalten auch Fänggen, Fänken, Fenggen oder Fanggen genannt. Im bayerischen nannte man sie auch „wilde Weiber“, im Oberinntal und Vinschgau „Salige“. Es gibt sowohl männliche wie weibliche Fänggen, wobei die männlichen eher in Sagen aus dem Vorarlberg auftauchen, die weiblichen hingegen eher in Sagen aus Tirol. Teilweise haben sie unerkannt bei Bauern als Mägde gearbeitet und verfügten über geheimes Wissen (z.B. über Pflanzen). Im manchen Sagen sind sie im Laufe der Zeit aber zum bloßen Kinderschreck verkommen. Angeblich sind sie riesengroß und am ganzen Körper behaart. Bekleidet sind sie mit Fellen, Baumflechten und Baumrinden. Sie treten manchmal einzeln, manchmal aber auch in Gruppen auf. Mit ihrem Leben sind aber stets an einen bestimmten Wald gebunden. Verschwindet der Wald (z.B. durch Abholzen), dann verschwinden auch sie. Früher war es deshalb üblich, wenn ein Bauer oder Knecht einen Baum fällte, ein oder drei Kreuze in den Baumstumpf zu hacken, um sich so gegen die Rache dieser Waldwesen zu schützen, denn schließlich hatte er ihnen ja gerade ihren Wohnsitz genommen. Auch heute findet man vereinzelt noch so markierte Baumstümpfe, die alte Holzarbeiter aus Tradition noch so kennzeichnen. |
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Venediger Männlein
In vielen Sagen kommen auch die „Venediger“ vor. Es handelt sich um meist kleine Männchen mit spitzen Hüten, die in Frühjahr in den Bergen auftauchten und im Herbst wieder verschwanden. Ihr Tun war geheimnisvoll und hatte immer etwas mit Edelsteinen, Gold und Silber zu tun. Diese Schätze suchten sie in den Bergen, horteten sie und verschwanden im Herbst mit ihnen. Es scheint, dass die Venediger wirklich aus Venedig kamen, zumindest aber romanischer Herkunft waren und in den Bergen weniger Gold und Silber als vielmehr Erze und Gesteine (z.B. Kobalt, Braunstein) suchten, die von den Glasmanufakturen von Murano (bei Venedig) dringend benötigt und hoch bezahlt wurden. Die Glasmanufakturen benötigten dies zum Färbung von Glas und von Kirchenfenstern.
Die Gebirgler konnten sich darauf allerdings keinen Reim machen und vermuteten daher stets Gold und Silber in den Säcken der Venediger. Daneben unterstellte man den Venedigern besondere Kenntnisse (z. B. Wünschelruten), ja sogar Zauberkräfte (z.B. Zauberspiegel, mit denen sich Gold leicht finden lässt). Dies lag vermutlich daran dass im späten Mittelalter der Bergbau in unseren Bergen noch stark vom Zufallsglück abhing, wohingegen die Venediger bereits über gewisse vielversprechende Kenntnisse und Praktiken verfügten. Ihr teilweise verkleidetes herumschleichen in den Bergen (z.B. als wandernde Hausierer) und ihr heimliches Verschwinden im Herbst sollte sie vor Überfällen schützen. Anzutreffen waren die Venediger übrigens nicht nur im Alpenraum, sondern etwa auch in den Bergbaugebieten von Harz, Fichtel- und Riesengebirge.
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Drachen, Lint- und Tatzelwürmer
Drachen sind echsenartige Wesen, meist mit Flügeln und Hörnern. In der Regel haben sie einen wahnsinnig schlechten Mundgeruch und spucken gerne auch Feuer. Erzählungen von Drachen findet man in nahezu allen Kulturkreisen mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen. Bei uns heißen sie oftmals auch Lintwurm bzw. Lindwurm (germanisch).
Während Drachen in Ostasien meist eine positive Bedeutung haben (Glück, langes Leben etc.) sind sie bei uns meistens böse Wesen (fressen Jungfrauen, bewachen Schätze usw.). Dass Drachen tatsächlich existieren, war in Europa noch im 16. Jahrhundert auch unter Gelehrten eine verbreitete Ansicht.
Geschichten von Drachen finden sich bei uns nicht nur im Alpenraum, doch haben sie sich in den Bergen scheinbar wohlgefühlt. So manche Ortsbezeichnung (Drachenloch, Drachenfels) erinnert noch heute an Plätze, an denen angeblich Drachen ihr Unwesen trieben.
Der Tatzelwurm ist ein alpenländischer kleiner Verwandter von Drache und Lintwurm. Er ist 50 bis 200 Zentimeter lang, hat einen schlangenartigen Unterleib und zwei prankenbesetzte Vorderbeine. Flügel hat der Tatzelwurm keine. Am liebsten lebt er in Stollen und Höhlen, die er sich in den Fels gräbt. Auch wenn der Tatzelwurm ein scheues Tier ist, kann es gefährlich für Mensch und Tier werden. |
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Kasermandl, Schrattl und Trud
Die Vorstellungswelt der Gebirgsbewohner bevölkerte früher eine ganze Reihe von üblen Wesen.
Da gab es zum Beispiel das Kasermandl, ein Kobold, der im Winter (in der Zeit, in der die Almen nicht bewirtschaftet waren) sein Unwesen in den Kasern (Almhütten) trieb. Wurde das Vieh im Herbst von der Alm abgetrieben, zog des Kasermandl in die Hütte ein und blieb, bis im Frühsommer das Vieh wieder auf die Alm getrieben wurde. Wehe der Person, die sich im Winterhalbjahr auf einer Alm einquartierte, denn die musste allerlei vom Kasermandl ertragen.
Der Schrattl war ein anderer Quälgeist, der jedoch keine Menschen, sondern nur Tiere quälte. Ob Kühe, Schweine, Kaninchen oder Hennen, der Schrattl drückte sie so fest er konnte. Gegen den Schrattl half nur ein Schrattlgatter, das man über der Türe bzw. im Stall aufhängte. Sein Unwesen trieb der Schrattl nur bei der Nacht, tagsüber versteckte er sich im Wald und gesehen hat in bis heute noch kein Mensch.
Was für das Vieh der Schrattl, war für den Menschen die Trud (manchmal auch Drud genannt). Häufig hat sie die Gestalt ein er Hexe, kann sich aber auch in einen Vogel oder in etwas anderes verwandeln. Die Trud setzt sich den Menschen während des Schlafes auf die Brust und drückt sie gar arg. Als Abwehrzeichen gegen die Trud hilft nur ein Drudenhax (Pentagramm) oder ein Drudenmesser. |
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Versteinerte Menschen
So manch ungewöhnliche Felsformation hat die Phantasie der Menschen angeregt und manchmal kam man zu dem Schluss, dass es sich hier um versteinerte Menschen handelt. Am bekanntesten ist vermutlich der König Watzmann, der mit Frau und Kindern als Strafe für seine Schandtaten zu Stein verwandelt wurde. Nicht weit davon findet man die steinerne Agnes. Bei ihr soll es sich um eine Sennerin handeln, die vom Teufel so arg verfolgt wurde, dass sie zu ihrer Rettung ein Stein verwandelt wurde.
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Verwunschene Almen
Nicht selten findet man in den Alpen Sagen, bei denen eine öde oder vergletscherte Gegend früher einmal eine blühende Alm gewesen sein soll (z.B. Blümlisalp in der Schweiz, übergossene Alm bei Berchtesgaden). Die Menschen lebten hier im Überfluss und wurden übermütig. Sie pflasterten ihre Wege mit Butter, kegelten mit Käse und die Strafe ließ nicht lange auf sich warten. Die einst wunderbaren Almen verschwanden in Eis und Schnee. Es ist vorstellbar, dass hier noch alte Erinnerungen an Gegenden weiterleben, die in der letzten Eiszeit unbewohnbar wurden. Aber was Genaues weiß man natürlich nicht. |